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Was sind die urheberrechtlichen Folgen, wenn KI unsere Inhalte nutzt? Widersprüchliche Rechtsberatung erhalten

CO
Content_Rights_Confused · Publishing Director
· · 92 upvotes · 11 comments
CR
Content_Rights_Confused
Publishing Director · 22. Dezember 2025

Wir sind ein B2B-Verlag. Unsere Inhalte werden von KI-Systemen genutzt, und ich bekomme widersprüchliche Ratschläge.

Anwalt A sagt: “Das ist eine Urheberrechtsverletzung. Blockieren Sie alle KI-Crawler. Bereiten Sie sich auf einen Rechtsstreit vor.”

Anwalt B sagt: “Das ist Fair Use. Sie können es nicht verhindern. Konzentrieren Sie sich darauf, die Sichtbarkeitsvorteile zu maximieren.”

Was ich beobachte:

  • Unsere Artikel erscheinen in ChatGPT-Antworten
  • Perplexity zitiert regelmäßig unsere Recherchen
  • Wir werden nicht entschädigt
  • Aber wir bekommen TATSÄCHLICH Referral-Traffic

Meine Fragen:

  1. Wie ist der tatsächliche Rechtsstatus aktuell?
  2. Sollten wir KI-Crawler blockieren oder sie zulassen?
  3. Sind Lizenzdeals für mittelgroße Verlage realistisch?
  4. Was machen andere Verlage tatsächlich?

Ich brauche eine praktikable Position, nicht nur juristische Theorie.

11 comments

11 Kommentare

PI
Publishing_Industry_Watch Expert Media Industry Analyst · 22. Dezember 2025

Ich gebe Ihnen einen Überblick über die aktuelle Lage:

Aktive Verfahren (Stand Dezember 2025):

  • NYT vs OpenAI (läuft noch, wichtiges Verfahren)
  • Verschiedene Autorengruppen vs. KI-Unternehmen
  • Musikindustrie-Klagen
  • Klagen von Bildkünstlern

Noch kein endgültiges Präzedenzurteil. Die Gerichte haben noch nicht endgültig entschieden, ob KI-Training als Fair Use gilt.

Was KI-Unternehmen argumentieren:

  • Training ist transformative Nutzung
  • Sie schaffen neue Werke, keine bloße Reproduktion
  • Vergleichbar damit, wie Menschen aus Inhalten lernen

Was Verleger argumentieren:

  • Training ist Reproduktion im großen Maßstab
  • Kommerzieller Nutzen ohne Entschädigung
  • Untergräbt Geschäftsmodelle für Inhalte

Die praktische Realität:

VerlagstypTypische Strategie
Groß (NYT, WSJ)Klagen + Lizenzverhandlungen
Groß (große Medien)Lizenzverhandlungen, teils Blockierung
MittelgroßMeist Zulassen, hoffen auf Sichtbarkeit
KleinZulassen, Fokus auf Traffic-Vorteile

Warum mittelgroße Verlage meist zulassen:

  • Keine Verhandlungsposition für Lizenzdeals
  • Klagen sind teuer
  • Sichtbarkeit bringt echten Geschäftswert
  • Blockieren kostet mehr als es schützt
LR
Licensing_Reality VP Business Development · 22. Dezember 2025
Replying to Publishing_Industry_Watch

Speziell zu Lizenzdeals:

Wer Deals hat:

  • Große Nachrichtenverlage (NYT angesprochen, andere unterschrieben)
  • Große Inhaltsarchive
  • Wissenschaftsverlage
  • Große Bild-/Video-Datenbanken

Deal-Größen (bekanntgegeben):

  • News Corp: $250M+ über 5 Jahre
  • Diverse andere: $5–50M Bereich
  • Kleine Verlage: Keine Deals verfügbar

Warum Mittelgroße keine Deals bekommen:

  1. KI-Firmen brauchen Ihre spezifischen Inhalte nicht
  2. Transaktionskosten kleiner Deals lohnen sich nicht
  3. Sie gehen lieber vor Gericht als ein Präzedenz zu schaffen
  4. Ihre Inhalte sind bereits in Trainingsdaten

Die unbequeme Wahrheit: Wenn Sie nicht NYT-Größe haben, ist Lizenzierung nicht realistisch.

Was Sie TUN können:

  1. Sichtbarkeitswert jetzt maximieren
  2. Nutzung dokumentieren für mögliche spätere Ansprüche
  3. Verlagskoalitionen beitreten
  4. Rechtliche Entwicklungen beobachten

Kosten-Nutzen: Blockieren = Sichtbarkeit verlieren, nichts Wesentliches schützen Zulassen = Sichtbarkeit gewinnen, Rechte in Zukunft ungewiss

Die meisten mittelgroßen Verlage setzen auf Sichtbarkeit.

LP
Legal_Practical_View Media Lawyer · 21. Dezember 2025

Hinweis: Keine Rechtsberatung, allgemeine Information.

Warum Ihre Anwälte widersprechen:

Anwalt A (blockieren/klagen):

  • Fokus auf reine Rechtslage
  • Hat recht, dass unerlaubte Nutzung eine Verletzung sein kann
  • Schutz möglicher künftiger Ansprüche
  • Konservative Risikoeinschätzung

Anwalt B (zulassen/ermöglichen):

  • Fokus auf die Geschäftspraxis
  • Hat recht, dass der Ausgang ungewiss ist
  • Maximierung des aktuellen Nutzens
  • Pragmatischer Risikozugang

Beide haben aus ihrer Sicht recht.

Die Fragen, die Sie sich stellen sollten:

  1. Können Sie sich einen Rechtsstreit leisten?

    • Einzelklagen: $500K–2M+
    • Sammelklagen: Bestehenden Gruppen anschließen
  2. Was schützen Sie tatsächlich?

    • Bereits im Training verwendete Inhalte: Können nicht entfernt werden
    • Zukünftige Inhalte: Könnten blockiert werden
    • Zitierung/Sichtbarkeit: Geschäftswert
  3. Was ist Ihr Geschäftsmodell?

    • Abo/Paywall: Evtl. schützen
    • Werbefinanziert: Sichtbarkeit wichtiger
    • Leadgenerierung: Sichtbarkeit am wichtigsten

Meine Beobachtung: Die meisten B2B-Verlage setzen auf Sichtbarkeit, weil ihr Geschäftsmodell mehr von Bekanntheit profitiert als es durch KI-Nutzung verliert.

PD
Publisher_Decision CEO at Industry Publication · 21. Dezember 2025

Das haben wir entschieden und warum:

Unser Geschäft: B2B-Fachverlag, ähnlich wie Ihrer. Umsatz: Werbung + Events + Sponsored Content

Unsere Entscheidung: Alle KI-Crawler zulassen. Sichtbarkeit maximieren.

Warum:

  1. Unser Umsatz kommt von der Zielgruppe, nicht vom Verkauf von Inhalten KI-Sichtbarkeit = mehr Reichweite = mehr Umsatz

  2. Blockieren würde nichts bringen Inhalte sind bereits in Trainingsdaten. Blockieren verhindert nur künftigen Wert.

  3. KI-Traffic ist wertvoll Wir sehen 5 % des Traffics durch KI-Referrals. Diese Nutzer konvertieren gut.

  4. Keine realistische Lizenzoption Wir haben OpenAI angesprochen. Kein Interesse an unserer Größe.

  5. Juristische Kosten übersteigen Nutzen Klage würde mehr kosten als potenzieller Ertrag.

Was wir gemacht haben:

  • KI-Zitierungen mit Am I Cited verfolgen
  • Nutzungsmuster dokumentieren
  • Verlagskoalition beitreten (für Sammelklage)
  • Für KI-Sichtbarkeit optimieren

Das Ergebnis: KI-Sichtbarkeit um 200 % gestiegen. Referral-Traffic wächst. Markenbekanntheit verbessert sich.

Würden wir einen Lizenzdeal akzeptieren? Natürlich. Aber wir warten nicht darauf.

TV
Training_vs_Citation AI Researcher · 21. Dezember 2025

Wichtige Unterscheidung, die viele übersehen:

Trainingsdaten-Nutzung vs. Echtzeit-Zitierung

AspektTrainingsdatenEchtzeit-Zitierung
Wann passiert esModellaufbauJede Anfrage
Was wird genutztGanzer InhaltSnippets/Fakten
Kann man blockieren?Nur zukünftigJa (robots.txt)
Rechtlicher StatusStark umstrittenWeniger umstritten
Geschäftliche AuswirkungenVergangene Inhalte enthaltenBeeinflusst aktuelle Sichtbarkeit

Verschiedene KI-Systeme, verschiedene Modelle:

ChatGPT (Basis):

  • Ihr Inhalt im Training = wird für Antworten genutzt
  • Keine Echtzeit-Abfrage
  • Blockieren jetzt hat keinen Einfluss auf bereits erfolgtes Training

ChatGPT (Search):

  • Echtzeit-Abfrage über Bing
  • Ähnlich wie traditionelle Suche/Verlinkung
  • Blockieren wirkt hier

Perplexity:

  • Echtzeit-Abfrage und Zitierung
  • Verlinkt Quellen
  • Am ehesten wie klassische Suche

Die Feinheit: Blockieren von ChatGPTs Trainingscrawlern (GPTBot) = Ausschluss aus zukünftigen Trainingsdaten, betrifft aktuelles Modell nicht Blockieren von Perplexity = Verlust von Echtzeit-Zitierungsvorteilen

Viele Verlage: Blockieren Trainingscrawler, erlauben Zitierungs-/Suchcrawler. Das balanciert die Interessen.

SA
Selective_Approach Expert · 20. Dezember 2025

Hier ein differenzierter robots.txt-Ansatz:

Die selektive Strategie:

# Trainingscrawler blockieren
User-agent: GPTBot
Disallow: /

User-agent: Google-Extended
Disallow: /

User-agent: CCBot
Disallow: /

# Zitierungs-/Suchcrawler erlauben
User-agent: ChatGPT-User
Allow: /

User-agent: PerplexityBot
Allow: /

Was das bewirkt:

  • Blockiert Aufnahme in zukünftige Trainingsdaten
  • Erlaubt Echtzeit-Suche und Zitierung
  • Erhält Sichtbarkeitsvorteile
  • Schützt Rechte zumindest teilweise

Wer nutzt diesen Ansatz: Einige große Verlage, die abwägen wollen.

Die Einschränkung: Vergangene Trainingsdaten bestehen weiter. Dies wirkt nur für die Zukunft.

Für Ihre Anwälte: Das könnte beide Seiten zufriedenstellen:

  • „Wir schützen unsere Inhalte vor Training“ (Anwalt A)
  • „Wir erhalten Sichtbarkeitsvorteile“ (Anwalt B)

Ein Mittelweg, den viele akzeptabel finden.

FO
Future_Outlook Industry Analyst · 20. Dezember 2025

Was wahrscheinlich passieren wird (meine Prognose):

Kurzfristig (2026):

  • Mehr Klagen, keine klare Lösung
  • Mehr Lizenzdeals für große Player
  • Mittelgroße Verlage setzen Strategien fort

Mittelfristig (2027–2028):

  • Gerichtsurteile schaffen Präzedenzfälle
  • Möglicherweise gesetzliche Regelungen (EU ist bereits aktiv)
  • Lizenzrahmen für die Branche könnten entstehen

Langfristig (ab 2028):

  • Klarere Rechtsrahmen
  • Möglichweise verpflichtende Lizenzen oder Opt-out-Systeme
  • Neue Erlösmodelle für Verlage

Was das für Sie bedeutet:

  1. Setzen Sie nicht alles auf künftige Entschädigung
  2. Aktueller Sichtbarkeitswert ist real und sofort da
  3. Nutzung für mögliche Ansprüche dokumentieren
  4. Flexibel bleiben, da sich die Lage entwickelt

Der Vergleich: Wie bei Musik-/Videostreaming anfangs – begann kontrovers, dann entstanden Lizenzmodelle. KI-Inhalte könnten einen ähnlichen Weg gehen.

Aber das dauerte Jahre. Setzen Sie Ihr Geschäft nicht auf Pause.

CR
Content_Rights_Confused OP Publishing Director · 20. Dezember 2025

Das hat mir geholfen, eine Position zu finden. Unsere Strategie:

Entscheidung: Zulassen mit Dokumentation

Was wir tun:

  1. Die meisten KI-Crawler zulassen für Sichtbarkeitsvorteile
  2. Trainingscrawler gezielt blockieren, wo möglich (GPTBot, CCBot)
  3. Zitierungs-Crawler erlauben (PerplexityBot, ChatGPT-User)
  4. Alles dokumentieren für potenzielle spätere Ansprüche
  5. Verlagskoalitionen beitreten für kollektive Durchsetzung

So argumentiere ich gegenüber der Geschäftsleitung:

“Die rechtliche Lage ist wirklich unsicher. Weder Blockieren noch Zulassen bieten klaren Rechtsschutz. Da unser Geschäftsmodell auf Reichweite basiert, empfehlen wir, die KI-Sichtbarkeit zu erhalten und gleichzeitig:

  • KI-Nutzung unserer Inhalte zu dokumentieren
  • An Branchengemeinschaften teilzunehmen
  • Trainings-spezifische Crawler nach Möglichkeit zu blockieren
  • Rechtliche Entwicklungen zur strategischen Anpassung zu beobachten”

Für meine Anwälte: Das gibt Anwalt A die Blockierung/Dokumentation, die er will, und Anwalt B die Sichtbarkeit/Pragmatik, die er empfiehlt.

Zentrale Erkenntnis: Das ist keine Urheberrechtsstrategie – es ist eine Geschäftsstrategie, die die Unsicherheit beim Urheberrecht anerkennt. Wir optimieren das, was wir steuern können (Sichtbarkeit), und bewahren Optionen für das, was wir nicht steuern können (rechtliche Ergebnisse).

Danke für die praxisnahen Perspektiven.

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Frequently Asked Questions

Dürfen KI-Systeme meine Inhalte legal für das Training nutzen?
Das wird derzeit aktiv vor Gericht verhandelt. KI-Unternehmen argumentieren mit Fair Use; Verleger sehen eine Verletzung. Große Klagen (NYT vs OpenAI, usw.) laufen. Der aktuelle Rechtsstatus ist unsicher, weshalb einige Verleger Lizenzabkommen verhandeln, anstatt zu klagen.
Sollte ich KI-Crawler blockieren, um mein Urheberrecht zu schützen?
Das Blockieren verhindert künftiges Crawlen, entfernt aber keine Inhalte aus bereits bestehenden Trainingsdaten. Außerdem verliert man so KI-Sichtbarkeit. Die meisten Unternehmen bevorzugen Sichtbarkeit, es sei denn, sie haben spezifische Lizenzverhandlungen oder Content-Verkaufsmodelle zu schützen.
Lohnen sich Lizenzdeals mit KI-Firmen?
Für große Verlage mit Einfluss: ja – Deals reichen von Millionen bis zu mehreren hundert Millionen. Für die meisten Unternehmen ist Lizenzierung keine Option, da KI-Firmen keine Deals anbieten. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf Sichtbarkeitsvorteile, anstatt auf Entschädigung zu warten.
Was ist der Unterschied zwischen Trainingsdaten-Nutzung und Zitierung?
Beim Training wird der Inhalt genutzt, um das Modell zu entwickeln (rechtlich umstritten). Zitierung verweist in Echtzeit auf Inhalte, um Anfragen zu beantworten (ähnlich wie traditionelles Verlinken). Verschiedene KI-Systeme machen Unterschiedliches: ChatGPT-Basis nutzt Trainingsdaten; Perplexity zitiert in Echtzeit.

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