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Macht sich sonst noch jemand Sorgen um Inhaltsrechte bei KI? Die rechtliche Lage wird immer verrückter

CO
ContentCreator_Maya · Unabhängige Content-Erstellerin
· · 127 upvotes · 11 comments
CM
ContentCreator_Maya
Unabhängige Content-Erstellerin · 9. Januar 2026

Ich erstelle seit 8 Jahren Inhalte und die aktuelle KI-Situation macht mir ernsthaft Sorgen.

Letzte Woche habe ich entdeckt, dass mehrere meiner Artikel in ChatGPT-Antworten zitiert werden – aber ich habe nie die Erlaubnis erteilt, meine Inhalte für das Training zu nutzen. Jetzt sehe ich den Anthropic-Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar und frage mich, was das für kleinere Kreative wie mich bedeutet.

Meine Hauptfragen:

  • Gibt es eine Möglichkeit, wirklich nachzuverfolgen, wo meine Inhalte verwendet werden?
  • Sollte ich KI-Crawler blockieren oder schadet das meiner Sichtbarkeit?
  • Helfen diese Lizenzierungsmodelle tatsächlich unabhängigen Kreativen oder nur großen Verlagen?

Die ganze Situation erinnert mich an die Musikindustrie im Jahr 2000 – die Inhalte aller werden genutzt und wir hinken bei Vergütungsmodellen hinterher.

Ich würde gerne von anderen hören, die sich gerade in diesem Umfeld bewegen.

11 comments

11 Kommentare

IA
IP_Attorney_James Experte Fachanwalt für geistiges Eigentum · 9. Januar 2026

Hier ein IP-Anwalt, der diese Fälle aufmerksam verfolgt.

Die rechtliche Landschaft ändert sich schnell:

Der Anthropic-Vergleich über 1,5 Milliarden Dollar (Bartz v. Anthropic) ist die größte Urheberrechtsentschädigung in der US-Geschichte. Etwa 500.000 Werke wurden mit jeweils rund 3.000 Dollar vergütet. Das ist pro Stück nicht viel, aber es zeigt, dass Gerichte echte Strafen verhängen.

Was das Copyright Office sagt:

Der Bericht vom Mai 2025 war entscheidend. Das Fazit:

  • Die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke zum Training von KI kann eine Urheberrechtsverletzung sein
  • Fair Use gilt nicht automatisch für das KI-Training
  • Die Hauptfrage ist, ob KI-Ausgaben mit den Originalwerken konkurrieren

Für einzelne Kreative:

Sie haben mehr Einfluss, als Sie denken. Dokumentieren Sie alles – wann Sie veröffentlicht haben, welche Plattformen Ihre Inhalte genutzt haben. Überlegen Sie, kollektiven Lizenzorganisationen beizutreten, die sich speziell für KI-Rechte bilden.

Das Urteil des deutschen Gerichts gegen OpenAI wegen des Trainings mit lizenzierter Musik zeigt, dass das kein reines US-Thema ist. Der internationale Druck nimmt zu.

TS
TechJournalist_Sara · 9. Januar 2026
Replying to IP_Attorney_James

Die 3.000 Dollar pro Werk sind ein interessanter Kontext. Für große Verlage ist das akzeptabel, aber für unabhängige Kreative mit Hunderten verwendeter Werke kommt da einiges zusammen.

Die Herausforderung ist aus meiner Sicht, den Nachweis zu erbringen, dass die eigenen Inhalte tatsächlich zum Training genutzt wurden. Diese Datensätze sind riesig und intransparent.

SC
SEOManager_Carlos SEO-Manager bei Medienunternehmen · 8. Januar 2026

Wir standen bei uns im Unternehmen vor genau diesem Dilemma.

Das Dilemma zwischen Blockieren und Sichtbarkeit ist real:

Anfangs haben wir GPTBot und ClaudeBot blockiert. Der Traffic blieb etwa 3 Monate stabil, dann fiel uns etwas auf – unsere Marken-Nennungen in KI-Antworten gingen deutlich zurück. Konkurrenten, die Crawling zuließen, wurden stattdessen zitiert.

Was wir jetzt tun:

  1. KI-Crawler zulassen, aber klare Lizenzbedingungen in die robots.txt schreiben
  2. Mit Am I Cited überwachen, wann und wie wir zitiert werden
  3. Nachverfolgen, ob Zitate zu Referral-Traffic führen
  4. Alles für mögliche künftige Ansprüche dokumentieren

Das Monitoring ist entscheidend. Man kann nur schützen, was man sieht. Wir verfolgen unsere Zitationsraten wöchentlich in ChatGPT, Perplexity und Claude.

In der Realität schadet das Blockieren von KI eher der Sichtbarkeit, als dass es Inhalte schützt – denn das Training geschah bereits mit historischen Daten.

PD
PublishingExec_Diana VP bei Digital Publisher · 8. Januar 2026

Große Publisher-Perspektive hier.

Wir führen aktive Lizenzverhandlungen mit mehreren KI-Unternehmen. Was ich teilen kann:

Was in Verhandlungen zählt:

  • Traffic-Volumen und Autoritätsmetriken
  • Einzigartige, proprietäre Inhalte, die nicht replizierbar sind
  • Klare Dokumentation der ursprünglichen Veröffentlichungsdaten
  • Bereitschaft zum Rückzug (Blockieren)

Der kollektive Lizenzansatz:

Wir arbeiten mit Branchenverbänden an kollektiven Organisationen ähnlich wie ASCAP für Musik. Die Herausforderung: Inhalte sind sehr divers – Nachrichten, Tutorials, kreative Texte haben alle unterschiedliche Wertigkeit.

Mein ehrliches Fazit:

Einzelne Kreative werden es schwer haben, direkt zu verhandeln. Das Machtgefälle ist zu groß. Kollektives Handeln ist der Weg.

Der EU-Ansatz mit Opt-out-Registrierung ist vielversprechend. Die Beweislast auf die KI-Unternehmen zu verlagern, wäre ein großer Schritt.

CM
ContentCreator_Maya OP Unabhängige Content-Erstellerin · 8. Januar 2026

Das sind alles sehr hilfreiche Einblicke.

Die Idee kollektiver Lizenzen leuchtet ein – ich werde mich definitiv über Organisationen informieren, die unabhängige Kreative vertreten.

Anschlussfrage: Für alle, die Monitoring-Tools nutzen – erleben Sie, dass KI-Systeme Quellen wirklich korrekt angeben oder handelt es sich meist um nicht zugeordneten Content?

Der Unterschied macht für den Wert der Sichtbarkeit in KI-Antworten viel aus.

AP
AIResearcher_Priya Experte KI-Policy-Researcherin · 8. Januar 2026

Gute Frage. Ich untersuche Zitationsmuster bei verschiedenen KI-Plattformen.

Die Attribution variiert stark je nach Plattform:

  • Perplexity: Am besten bei Quellenangaben – fast immer mit Links
  • ChatGPT mit Browsing: Zitiert bei aktiver Suche, nicht bei trainingsbasierten Antworten
  • Claude: Wird besser, ist aber inkonsistent
  • Google AI Overview: Verlinkt auf Quellseiten, falls enthalten

Wichtiger Unterschied:

Es gibt einen Unterschied zwischen:

  1. Training auf Ihren Inhalten (keine Attribution, historisch)
  2. Retrieval/RAG-Systemen, die Ihre Inhalte zitieren (Attribution, Echtzeit)

RAG-Systeme sind tatsächlich gut für Kreative – sie bringen Traffic und Attribution. Das Trainingsproblem ist das eigentliche Thema, dort liegt der juristische Fokus.

Deshalb ist Monitoring wichtig. Sie sollten sehen, ob Sie in Retrieval-basierten Antworten zitiert werden, denn davon profitieren Sie.

FT
FreelanceWriter_Tom · 7. Januar 2026

Kleinerer Kreativer hier mit einem pragmatischen Ansatz.

Ich habe aufgehört, dagegen zu kämpfen, und angefangen, zu optimieren. Wenn KI-Systeme meine Inhalte sowieso nutzen, will ich:

  1. Zitiert werden statt nur zusammengefasst – Inhalte leicht zitierbar gestalten
  2. Erwähnungen verfolgen – wissen, wann ich genannt werde
  3. Autorität aufbauen – mehr Autorität = mehr Zitate = mehr Traffic

Was wirklich funktioniert:

  • Frage-Antwort-Format in meinen Inhalten
  • Klare Expertenangaben in den Autorenbios
  • Regelmäßige Überwachung von KI-Antworten zu meinen Themen

Es ist nicht ideal, dass wir uns einem System anpassen, das genommen hat, ohne zu fragen. Aber praktisch gesehen ist Sichtbarkeit in KI-Antworten inzwischen so wichtig wie SEO.

Die Glaze-Schutztools sind interessant, aber ich fürchte, das wird ein Wettrüsten. Sichtbar und dokumentiert zu sein ist besser als versteckt und vergessen.

MM
MediaLawyer_Michelle Medienrechtsanwältin · 7. Januar 2026

Einige praktische Rechtstipps für Kreative:

Alles dokumentieren:

  • Screenshots Ihrer Originalveröffentlichung mit Datum
  • Archive.org-Snapshots als historischen Beweis
  • Jeglichen Nachweis, dass KI-Systeme Ihre Inhalte reproduzieren

Urheberrechte registrieren: In den USA kann man ohne Registrierung keine Klage wegen Urheberrechtsverletzung einreichen. Das Copyright Office arbeitet langsam, aber die Registrierung ist essenziell.

Sammelklagen beobachten: Mehrere formieren sich für verschiedene Inhaltstypen. Auch wenn Sie nicht federführend sind, können Sie als Mitglied teilnehmen.

Leitfäden zu Schutzmechanismen lesen: Das Copyright Office merkte an, dass KI-Unternehmen, die Inhaltsfilter und Ähnlichkeitsvermeidung umsetzen, stärkere Fair-Use-Argumente haben. Das erhöht den Druck auf Plattformen, die Rechte von Kreativen zu achten.

Der rechtliche Rahmen entsteht gerade. Wer dokumentiert und sich organisiert, kann davon profitieren.

AK
AgencyDirector_Kevin Leiter einer Content-Agentur · 7. Januar 2026

Agenturperspektive mit Dutzenden Kunden.

Unser empfohlener Hybridansatz:

  1. KI-Crawler zulassen für Sichtbarkeit und Zitationsvorteile
  2. Aggressiv überwachen mit Tools wie Am I Cited
  3. Klare Lizenzbedingungen auf den Rechteseiten
  4. Alles dokumentieren für potenzielle künftige Ansprüche

Unsere Empfehlung an Kunden:

Das historische Trainingsdaten-Thema ist gelaufen. Dagegen zu kämpfen ist teuer und unsicher. Fokus auf:

  • Zitiert werden in aktuellen RAG-/Retrieval-Systemen (bringt Traffic)
  • Dokumentationskette für künftige Vergütungsmodelle aufbauen
  • An kollektiven Lizenzierungsinitiativen mitwirken

Die Ansätze aus China und der EU sind interessant – beide bieten mehr Schutz für Kreative als die USA bislang. Wir beobachten regulatorische Änderungen, die das Gleichgewicht verschieben könnten.

IR
IndiePublisher_Rachel · 6. Januar 2026

Ich leite eine kleine Indie-Publikation mit fünf Autor:innen.

Unsere Realität:

Wir können es uns nicht leisten, gegen OpenAI oder Anthropic zu klagen. Individuelle Lizenzverhandlungen sind für uns unmöglich. Aber wir können:

  • Unsere Sichtbarkeit in KI-Antworten verfolgen
  • Inhalte für Zitation optimieren
  • Alles dokumentieren
  • Kollektiven Initiativen beitreten, wenn sie entstehen

Erkenntnis aus dem Monitoring:

Nutze Am I Cited seit 3 Monaten. Habe entdeckt, dass wir in unserer Nische recht oft zitiert werden – aber Konkurrenten, obwohl weniger autoritativ, noch häufiger. Diese Lücke versuchen wir jetzt zu schließen.

Das Problem der Inhaltsrechte verschwindet nicht, aber auch die KI-Suche nicht. Wir spielen beide Spiele: Wir setzen uns für bessere Rechte ein und optimieren für die aktuelle Realität.

CM
ContentCreator_Maya OP Unabhängige Content-Erstellerin · 6. Januar 2026

Dieser Thread war unglaublich wertvoll. Vielen Dank an alle.

Meine Erkenntnisse:

  1. Die rechtliche Landschaft verändert sich – große Vergleiche und Gerichtsentscheidungen zeigen, dass KI-Training kein automatischer Fair Use ist
  2. Kollektives Handeln ist entscheidend – einzelne Kreative müssen sich in Lizenzorganisationen zusammenschließen
  3. Monitoring und DokumentationKI-Zitate jetzt verfolgen, um von zukünftigen Vergütungsmodellen zu profitieren
  4. Pragmatische Optimierung – während wir für Rechte kämpfen, auch Sichtbarkeit in aktuellen Systemen optimieren
  5. Training von Retrieval unterscheiden – RAG-Zitate sind tatsächlich vorteilhaft für Kreative

Meine nächsten Schritte:

  • Mit Am I Cited Monitoring starten
  • Nach kollektiven Lizenzorganisationen suchen
  • Meine Inhalte klar mit Veröffentlichungsdaten dokumentieren
  • Weiterhin hochwertige Inhalte schaffen, die KI-Systeme zitieren wollen

Der Vergleich mit der Musikindustrie passt – Kreative erhielten schließlich Streaming-Tantiemen, aber erst nach Jahren der Organisation. Das müssen wir auch tun.

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Frequently Asked Questions

Dürfen KI-Unternehmen rechtlich gesehen mit urheberrechtlich geschützten Inhalten trainieren?
Das wird derzeit aktiv vor Gericht verhandelt. Das US Copyright Office hat erklärt, dass die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke für das KI-Training einen offensichtlichen Urheberrechtsverstoß darstellen kann. Mehrere Grundsatzverfahren, darunter The New York Times vs. OpenAI, prüfen, ob Fair Use anwendbar ist. Die Gerichte erkennen zunehmend den Schaden für ursprüngliche Urheber an, wenn KI konkurrierende Inhalte erzeugt.
Welche Vergütungsoptionen gibt es für Content-Ersteller:innen?
Neue Modelle umfassen Zahlungen pro KI-Ausgabe auf Tantiemenbasis, einmalige Lizenzgebühren für Trainingsrechte, hybride Ansätze und kollektive Lizenzorganisationen, die Gruppen von Kreativen vertreten. Große Deals wie Disneys 1-Milliarden-Dollar-Partnerschaft mit OpenAI zeigen, dass große Rechteinhaber erhebliche Vergütungen aushandeln können.
Wie kann ich meine Inhalte vor unbefugtem KI-Training schützen?
Technische Maßnahmen umfassen Tools wie Glaze, die unmerkliche Änderungen hinzufügen, sodass die Inhalte für Training unbrauchbar werden. Sie können auch Watermarking, Metadaten und klare Lizenzhinweise nutzen. Die EU entwickelt Opt-out-Register für Text- und Data-Mining-Ausnahmen.

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