Discussion Technical AI Infrastructure

Eine KI-Sucharchitektur von Grund auf aufbauen – welche Komponenten braucht man wirklich?

ML
MLEngineer_David · ML-Ingenieur
· · 145 upvotes · 11 comments
MD
MLEngineer_David
ML-Ingenieur · 3. Januar 2026

Ich wurde beauftragt, die KI-Suchinfrastruktur unseres Unternehmens von Grund auf zu bauen. Aus der klassischen ML-Ecke kommend, ist die Landschaft überwältigend.

Was ich glaube zu brauchen:

  • Vektordatenbank für semantische Suche
  • Embedding-Modelle zur Umwandlung von Inhalten
  • Irgendeine Orchestrierung/RAG-Pipeline
  • Monitoring und Observability

Was mir unklar ist:

  • Welche Vektordatenbank? (Pinecone vs Weaviate vs Milvus vs Qdrant)
  • Brauche ich separate Embedding- und LLM-Komponenten?
  • Wie funktionieren hybride Suchansätze?
  • Was für ein Monitoring ist wirklich nötig?

Kontext:

  • ~500.000 Dokumente zu indexieren
  • Unter 200ms Latenz pro Anfrage nötig
  • Team aus 2 ML-Ingenieuren
  • Budget für Managed Services, falls sinnvoll

Würde gerne hören, welche Stacks andere wirklich in Produktion einsetzen und was sie anders machen würden.

11 comments

11 Kommentare

AS
AIArchitect_Sarah Expert AI Solutions Architect · 3. Januar 2026

Ich habe diesen Stack schon mehrfach aufgebaut. Hier ist das Framework, das ich nutze:

Kernarchitektur (RAG-Muster):

Benutzeranfrage
    ↓
Query-Embedding (Embedding-Modell)
    ↓
Vektorsuche (Vektor-DB)
    ↓
Kandidaten-Retrieval
    ↓
Reranking (Cross-Encoder)
    ↓
Kontextzusammenstellung
    ↓
LLM-Generierung
    ↓
Antwort

Komponentenempfehlungen für eure Skalierung (500K Dokumente):

KomponenteEmpfehlungWarum
Vektor-DBPinecone oder QdrantManaged = schneller, 2er-Team kann keine Infrastruktur babysitten
EmbeddingsOpenAI text-embedding-3-largeBestes Qualitäts-/Kostenverhältnis für allgemeinen Einsatz
RerankerCohere Rerank oder Cross-Encoder10- bis 20-fache Relevanzsteigerung
LLMGPT-4 oder ClaudeKommt auf den Anwendungsfall an
OrchestrierungLangChain oder LlamaIndexKein Rad neu erfinden

Budget-Realität:

Bei 500K Dokumenten rechnet ihr mit:

  • Vektor-DB: 100–500 $/Monat (managed)
  • Embedding-Kosten: Einmalig ~50–100 $, um den Korpus zu embedden
  • LLM-Kosten: Nutzungsabhängig, plant 500–2000 $/Monat ein

Für 2 Ingenieure sind Managed Services auf jeden Fall lohnenswert.

MD
MLEngineer_David OP · 3. Januar 2026
Replying to AIArchitect_Sarah
Super hilfreich. Frage zum Reranking-Schritt – ist das wirklich nötig? Scheint zusätzliche Latenz und Komplexität zu bringen.
AS
AIArchitect_Sarah Expert · 3. Januar 2026
Replying to MLEngineer_David

Reranking ist eine der Maßnahmen mit dem höchsten ROI. Hier warum:

Ohne Reranker:

  • Vektorsuche liefert semantisch ähnliche Ergebnisse
  • Aber „ähnlich“ heißt nicht immer „am relevantesten zur Anfrage“
  • Top 10 Ergebnisse sind vielleicht nur zu 60% relevant

Mit Reranker:

  • Cross-Encoder analysiert Anfrage + Kandidat gemeinsam
  • Erfasst nuancierte Relevanzsignale
  • Top 10 sind 85–90% relevant

Latenz-Effekt:

  • Nur die Top 20–50 Kandidaten werden gererankt
  • 50–100 ms zusätzliche Latenz
  • Dein <200 ms Ziel bleibt erreichbar

Das Rechenbeispiel:

  • 50 ms Reranking
  • 20–30% Relevanzsteigerung
  • LLM generiert bessere Antworten durch besseren Kontext

Wenn nötig, lass es erstmal weg, aber füge es später hinzu. Es ist meist die größte Qualitätssteigerung nach dem grundlegenden RAG.

BM
BackendLead_Mike Backend Engineering Lead · 3. Januar 2026

Wir betreiben KI-Suche seit 18 Monaten produktiv. Was ich anders machen würde:

Unsere Fehler:

  1. Mit selbst gehosteter Vektor-DB gestartet – 3 Monate an Infrastruktur vergeudet. Hätten von Anfang an Managed nehmen sollen.

  2. Billiges Embedding-Modell gewählt – 20 $/Monat gespart, aber viel Retrieval-Qualität verloren. Gute Embeddings lohnen sich.

  3. Anfangs keine Hybridsuche – Reine Vektorsuche hat exakte Treffer verpasst. Hybrid (Vektor + BM25) hat das gelöst.

  4. Monitoring unterschätzt – Schwer zu debuggen, wenn man keine Retrieval-Qualitätsmetriken sieht.

Unser heutiger Stack:

  • Pinecone (Vektor) + Elasticsearch (BM25) hybrid
  • OpenAI-Embeddings (ada-002, bald auf 3)
  • Cohere Reranker
  • Claude für Generierung
  • Eigenes Monitoring-Dashboard für Retrieval-Metriken

Latenz-Aufteilung:

  • Embedding: 30 ms
  • Hybridsuche: 40 ms
  • Rerank: 60 ms
  • LLM: 800 ms (Streaming verbessert UX)

Die gefühlte Latenz ist ok, weil wir das LLM-Output streamen.

DP
DataEngineer_Priya · 2. Januar 2026

Noch die Data-Pipeline-Perspektive, die oft vergessen wird:

Dokumentenverarbeitung ist EXTREM wichtig:

Bevor etwas in die Vektor-DB kommt, braucht ihr:

  1. Chunking-Strategie – Wie teilt ihr Dokumente auf?
  2. Metadaten-Extraktion – Welche Attribute werden erfasst?
  3. Cleaning-Pipeline – Boilerplate entfernen, Text normalisieren
  4. Update-Mechanismus – Wie kommen neue/geänderte Dokumente durch die Pipeline?

Chunking-Tipps:

InhaltstypChunk-StrategieChunk-Größe
LangtexteAbsatzbasiert mit Overlap300–500 Tokens
Technische DokuAbschnittsbasiert500–1000 Tokens
FAQ-InhalteFrage-Antwort-PaareNatürliche Einheiten
ProduktdatenEntitätsbasiertKomplettes Produkt

Die Falle:

Leute verbringen Wochen mit der Auswahl der Vektor-DB und Tage mit Chunking. Es sollte umgekehrt sein. Schlechtes Chunking = schlechtes Retrieval, egal wie gut die Vektor-DB ist.

V
VectorDBExpert Expert · 2. Januar 2026

Vektordatenbanken-Vergleich basierend auf deinen Anforderungen:

Für 500K Docs + 2 Ingenieure + <200 ms:

Pinecone:

  • Vorteile: Voll gemanaged, sehr gute Doku, kalkulierbare Kosten
  • Nachteile: Vendor-Lock-in, begrenzte Anpassung
  • Fazit: Perfekt für eure Rahmenbedingungen

Qdrant:

  • Vorteile: Sehr gute Performance, gute Hybrid-Unterstützung, Cloud oder Self-Host
  • Nachteile: Managed-Angebot noch neu
  • Fazit: Gute Option, falls Hybrid gebraucht wird

Weaviate:

  • Vorteile: Sehr gute Hybridsuche, eingebaute Vektorisierung
  • Nachteile: Komplexerer Setup
  • Fazit: Besser für größere Teams

Milvus:

  • Vorteile: Skalierbar, komplett Open Source
  • Nachteile: Infrastruktur-Knowhow notwendig
  • Fazit: Für eure Skalierung zu viel, lieber nicht

Meine Empfehlung:

Startet mit Pinecone. Es ist langweilig (im besten Sinne). Ihr habt später noch Zeit, Alternativen zu evaluieren, sobald ihr euren tatsächlichen Bedarf besser kennt.

MC
MLOpsEngineer_Chen · 2. Januar 2026

Vergesst MLOps und Observability nicht:

Was ihr tracken müsst:

  1. Retrieval-Metriken

    • Precision@K (Sind die Top-K relevant?)
    • Recall (Werden alle relevanten Docs gefunden?)
    • Latenzverteilung
  2. Generierungs-Metriken

    • Antwort-Relevanz (passt die Antwort zur Anfrage?)
    • Groundedness (ist die Antwort durch Kontext gedeckt?)
    • Halluzinationsrate
  3. Systemmetriken

    • Query-Latenz p50/p95/p99
    • Fehlerraten
    • Kosten pro Anfrage

Tools:

  • Weights & Biases für Experiment-Tracking
  • Datadog/Grafana für System-Monitoring
  • LangSmith für LLM-Observability
  • Eigenes Dashboard für Businessmetriken

Das sagt dir niemand:

Ihr verbringt mehr Zeit mit Monitoring und Debugging als mit dem initialen Aufbau. Plant das von Anfang an ein.

SA
StartupCTO_Alex Startup CTO · 1. Januar 2026

Startup-Realitätscheck:

Wenn ihr das fürs Business (nicht Forschung) baut, bedenkt:

Build vs Buy:

  • RAG selbst bauen: 2–3 Monate Entwicklungszeit
  • Existierende RAG-Plattform nutzen: In Tagen produktiv

Plattformen, die das bündeln:

  • LlamaIndex + gemanagte Vektor-DB
  • Vectara (komplettes RAG-as-a-Service)
  • Cohere RAG-Endpunkte

Wann Custom-Build?

  • Wenn extreme Anpassung nötig ist
  • Daten-Sensitivität gefordert wird
  • Skaleneffekte es lohnen
  • Core-Kompetenz soll differenzieren

Wann Plattform?

  • Time-to-Market zählt
  • Kleines Team
  • RAG ist nicht euer Produkt, sondern ein Enabler

Für die meisten Unternehmen gewinnt die Plattform-Variante, bis es Skalierungsgrenzen gibt.

SK
SecurityEngineer_Kim · 1. Januar 2026

Sicherheitsaspekte, die niemand erwähnt hat:

Datenthemen:

  1. Welche Daten schickt ihr an externe Embedding-APIs?
  2. Welche Daten gehen zu LLM-Providern?
  3. Wo wird eure Vektor-DB gehostet?

Optionen für sensible Daten:

  • Selbst gehostete Embedding-Modelle (Sentence Transformers)
  • Selbst gehostete Vektor-DB (Qdrant, Milvus)
  • On-Premise LLM (Llama, Mixtral)
  • Managed Services im VPC

Compliance-Checkliste:

  • Datenresidenz-Anforderungen erfüllt
  • Verschlüsselung im Ruhezustand und bei Übertragung
  • Zugriffskontrollen und Audit-Logging
  • Datenaufbewahrungsrichtlinien
  • PII-Handling-Prozesse

Nehmt nicht an, dass Managed Services eure Compliance-Anforderungen erfüllen. Prüft das explizit.

MD
MLEngineer_David OP ML-Ingenieur · 1. Januar 2026

Dieser Thread war extrem wertvoll. Hier mein aktualisierter Plan:

Architektur-Entscheidung:

Wir setzen auf Managed Services für Geschwindigkeit und Teamgröße:

  • Pinecone für Vektorspeicherung
  • OpenAI text-embedding-3 für Embeddings
  • Cohere Reranker
  • Claude für Generierung
  • LangChain für Orchestrierung

Wichtige Learnings:

  1. Chunking-Strategie ist genauso wichtig wie die Wahl der Vektor-DB – investieren hier Zeit
  2. Reranking ist High-ROI – von Anfang an dabei
  3. Hybridsuche für Abdeckung – Vektor + BM25 implementieren
  4. Monitoring ab Tag 1 – Observability wird von Anfang an gebaut, nicht nachträglich
  5. Früher Security-Check – Compliance vor Go-Live sicherstellen

Zeitplan:

  • Woche 1–2: Datenpipeline und Chunking
  • Woche 3–4: Kern-RAG-Implementierung
  • Woche 5: Monitoring und Optimierung
  • Woche 6: Security-Review und Produktion

Danke an alle für die ausführlichen Insights. Diese Community ist Gold wert.

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Frequently Asked Questions

Was sind die Kernkomponenten eines KI-Such-Tech-Stacks?
Kernkomponenten umfassen Infrastruktur (Rechenleistung, Speicher), Datenmanagement, Embedding-Modelle für semantisches Verständnis, Vektordatenbanken für Retrieval, ML-Frameworks, MLOps-Plattformen und Monitoring-Tools. Die meisten folgen einer RAG-Architektur (Retrieval-Augmented Generation).
Welche Vektordatenbank sollte ich wählen?
Pinecone für einfache Verwaltung, Weaviate für hybride Suchfunktionen, Milvus für Open-Source-Flexibilität und Qdrant für Performance. Die Wahl hängt von Skalierungsanforderungen, Teamexpertise und Budget ab.
Was ist der Unterschied zwischen PyTorch und TensorFlow für KI-Suche?
PyTorch bietet Flexibilität durch dynamische Rechen-Graphen, ideal für Forschung und Prototyping. TensorFlow ermöglicht robuste Produktionseinsätze mit statischen Graphen. Viele Teams nutzen PyTorch für Experimente und TensorFlow für die Produktion.
Wie verbessert RAG die Qualität von KI-Suchergebnissen?
RAG stützt KI-Antworten auf aktuelle, abgerufene Daten, anstatt sich nur auf Trainingsdaten zu verlassen. Das reduziert Halluzinationen, hält Antworten aktuell und ermöglicht das Zitieren spezifischer Quellen.

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